Farb- und Formensprache - Das Geheimnis hinter dem typischen Efteling-Look

  • Wenn man sich mit Efteling beschäftigt, trifft man oft (viel zu oft, wenn ich ehrlich bin) auf hochspezifische Nischenthemen. Und das passiert beim Thema der Gestaltung des Hausstils eigentlich ständig. So passiert es dann, dass man sich nach einem eigentlich unwichtigen Kommentar zur Baustelle von Danse Macabre mit etwas so Profanem wie dem Gebrauch von Putz im Laufe der Geschichte der Bauten im Park beschäftigt.


    Ja, ernsthaft. Das ist ein Thema mit dem man sich durchaus beschäftigen kann. Die Art der Verwendung von Putz lässt sich nämlich in klare zeitliche Phasen einordnen. Und mit Danse Macabre und In den swarte Kat ist ganz offensichtlich wieder eine neue Phase angebrochen. Und das ist dann sogar mir aufgefallen, noch bevor ich mich wirklich mit diesem Nischenthema beschäftigt habe.


    Wenn Bedarf besteht, werde ich das hier gerne etwas genauer erläutern.

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    Also ich lese das ja alles sehr gern :D.

  • Also gut. Wie ich sicher schon einmal erwähnt habe, war eine der Voraussetzungen für Anton Pieck, sich an der Gestaltung eines Märchenwaldes zu beteiligen, dass alle Gebäude ordentlich gemauert werden mussten und keine billigen Materialien genutzt werden durften. Außerdem war er (deshalb sein Spitzname "der milde Diktator") sehr penibel was die Umsetzung seiner Vorgaben anging und ich denke, wenn man das auch im ersten Moment als sehr pingelig und eher negativ empfinden mag, verdankt der Park seinen Wert und seine Bekanntheit tatsächlich dieser gestalterischen Sturheit eines grandiosen Illustrators.


    Betrachtet man die Gebäude aus dieser Anfangszeit, dann haben sie alle einen gewissen Stil, alle sind ein bisschen krumm und schief und alle haben sie eine relativ ordentliche Putzschicht, in die man dann Risse und Stellen mit anscheinend abgeblättertem Putz hineinmodeliert hat. Diese Phase umfasst den Großteil der Zeit seit der Eröffnung 1952 bis zur Übernahme des Designerpostens durch Ton van de Ven Mitte der 70er. Mit ihm ändert sich der Stil und auch der Einsatz von Putz an den Gebäuden. Er entdeckt den Putz als williges gestalterisch-dekoratives Element und die Putzschichten werden übermäßig üppig, um nicht zu sagen ungewöhnlich dick. Dort wo (geplant) Mauerwerk zu sehen sein sollte, wurden spezielle, breite Steine vemauert, um nicht zu tief im Putz versenkt zu sein, um realistisch zu wirken.


    In der kurzen Zeit, in der Michel den Dulk das Regiment übernahm, also beim Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen und der Neugestaltung des Anton-Pieckplein, sehen wir eine klare Rückkehr zum Stil von Anton Pieck. Die offenen Mauerstellen werden weniger, der Putz dominiert und wird wieder in einer dünneren Schicht eingesetzt. Dafür gibt es wieder mehr Risse und abgschlagene/abgenutzte Kanten. Man erkennt klar das große Vorbild Anton Piecks in seinen Werken. Nachdem man ihn dann mehr oder weniger aus dem Park geekelt hat und auch Ton van de Ven nicht mehr da war, passiert etwas völlig neues, denn irgendwie verschwindet der Putz als Gestaltungselement plötzlich.


    Schaut man sich De vliegende Hollander an oder auch Baron 1898 an, dann fällt auf, dass man nach verputzten, künstlich gealterten Wänden vergeblich sucht. Was in dieser Beziehung den Divecoaster mit seiner Backsteinfassade doch so deutlich nach Efteling aussehen lässt ist die perfekt ausgewogene Verwendung der typischen Pieckfarben Ocker, Rot und Blau, die sich in den Backsteinen und den Stützen udn Schienen wiederfinden. Somit ist Baron 1898 gleichzeitig ein Bruch mit und die Rückkehr zu den Gestaltungsmitteln Anton Piecks. Gleiches lässt sich auch zur Umgestaltung des Bobs und dem Bau von Bäckerei Krümel sagen. Gestaltung und Farben sind schon deutlich an Pieck orientiert, aber der Putz, wenn überhaupt vorhanden, spielt eine untergeordnetere Rolle.


    Aktuell befinden wir uns ganz offensichtlich wieder in einer neuen Phase, die meines Ermessens nach eine Art Rückkehr und Übergang darstellt. Schaut man sich In den Swarte Kat und Danse Macabre an, dann dominieren noch immer die Backsteine, doch der Putz als Gestaltungselement erlebt hier ein Revival, wenn auch keineswegs in dem Maße, wie unter Pieck oder van de Ven. Das hauptsächlche Gestaltungselement bleiben die rohen Backsteine, der Putz wird eher punktuell, sporadisch und vor allen Dingen dünn aufgetragen. Dafür ist nun ein neues Element hinzugekommen: künstlicher Moos- und Flechtenbelag. Der übernimmt ein bisschen die Aufgabe der Risse und Abplatzungen im Putz, um das angebliche Alter des Gebäudes anzudeuten. Mehr Putz taucht nur auf dem Friedhof in der künftigen Queue on Danse Macabre auf, vornehmlich an der Gruft von Jozef Charlatan.


    Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung wir uns in der Gestaltung bewegen. Ein bisschen mehr Pieck würde ich mir wünschen, und bin beruhigt, dass Sander de Bruijn mit den Sechs Schwänen schon bewiesen hat, dass er es kann, 100% Pieckstil zu kreieren... und auch hier wieder mit viel Putz, Rissen und Abplatzungen...

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    Echt interessant. So hat man das wirklich als Gast nie wirklich wahrgenommen.

  • Ich sag ja, wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte beschäftigt und mit offenen Augen durch den Park läuft, dann gibt es unendlich viele kleine Dinge zu entdecken und mit dem entsprechendem Hintergrundwissen lassen die sich auch in einen zeitlichen Zusammenhang setzen. Das ist aber etwas, was der durchschnittliche Besucher gar nicht selbst tun kann. Aber damit verstehst du, warum sich unter den Fans und Liebhabern so eine starke Bindung an den Park heausbildet, denn je mehr man eintaucht, umso mehr lernt man und umso mehr Kontakte knüpft man auch untereinander und entdeckt dann gemeinsam solche absoluten Nischenthemen und davon gibt es halt auch unendlich viele udn immer wieder neue. Man kann sich stundenlang über die verschiendenen Wetterfahenen auf den Gebäuden austauschen oder aber über den unterschiedlichen Einsatz von Putz im LAufe der Zeit und in den verschiedenen Designer-Perioden.

  • Um den üppigen Putzeinsatz unter Ton van de Ven zu sehen, muss man nur mal durch das Lavenlaar wandern (was viel zu weige Besucher tatsächlich tun) und sich die Gebäude ansehen. Auch wenn hier schon die Kombination mit viel Holz und unverputzen Mauern ihren Anfang nimmt.


    Diese drei Grundelemente werden quer durch das Dorf der Laven genutzt, um die Fassaden optisch und haptisch interessant zu machen. Im Zusammenhang damit muss man dann auch mal darauf hinweisen, dass die Architektur sich unter Ton van de Ven grundlegend verändert hat. Anton Pieck orientierte sich immer an typisch niederländischer Architektur, wie sie eben auch in seinen Zeichnungen präsent war. Erweitert um einige 'magische' Gebäude, orientiert an der Natur, immerhin geht es um den Märchenwald.


    Ton van de Ven internationalisiert die Architektur und behält dabei trotzdem das typische Gestaltungsmuster Pieck'scher Bauten bei. Das sieht man im Märchenwald, in den auf Piecks Reisezeichnungen basierenden Fata Morgana zum Beispiel, aber eben auch in der Heimat des Volk van Laaf. Aber er geht noch weiter, zum Beispiel in seinem Entwurf für Droomvlucht (das Portal vor allem) und nicht zuletzt für den ikonischen Eingang, das Haus der fünf Sinne.


    Ich meine die Architektur des Lavenlaar habe ich im entsprechenden Thread zum Volk van Laaf ja schon etwas geschrieben, woher der Stil kommt, welche Architektur aus aller Welt darin steckt etc...

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    Ja das ist wirklich beeindruckend. Eigentlich müsste man wirklich noch so Parkführungen oder so anbieten. Das ist ja wirklich schon wie ein Museum.

  • Das ist dann aber wirklich schon eine Führung für absolute Nerds. Aber ja, es gäbe eine ganze Reihe von Themen, zu denen man eine Führung organisieren könnte. Und manche Führungen wären so interessant, dass man nicht mal Freizeitpark-Fan sein müsste, um fasziniert zu sein. Ich würde zum Beispiel gerne mal das Klaterwater-System von efteling in seinem ganzen Ausmaß und Umfang gezeigt bekommen.


    Vielleicht mach ich mal so eine Art Spurensuche wie ich sie für en Sprookjesbos gemacht habe zu ein paar der architektonischen Besonderheiten im Park, zum Beispiel zu den Wetterfahnen... auch Fauna und Flora im Park wären faszinierende Themen, da gibt es auch eine Menge zu entdecken. Der Artenreichtum in Efteling ist schon außergewöhnlich. Vor allem für einen Freizeitpark.

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    Ja eben das finde ich auch und das nimmt man zwar irgendwie war aber dann auch wieder nicht. Also nicht so ganz bis ins letzte Detail.

    Mit freundlichen Grüßen aus der Welt der Freizeitparks,

    Best regards from the world of amusement parks,


    Phantasiafreak92


    |Manager FPC | Guest Relation | APP Pictures|


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