Die Schönheit von Tripsdrlil - und dann erwartet uns so ein Tag

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    Wer etwas erleben will, der muss eine Reise tun. Und mit dem Gedanken, 5 Stunden Reisezeit auf sich zu nehmen, ging es aus dem Rheinland

    gen Süden. Doch wohin genau? In 5 Stunden kann man entweder die Region Heilbronn / Stuttgart erreichen oder Mauretanien. Auf der einen Seite unbekannte Speisen, unverständliche Sprache, mysteriöse Riten. Auf der anderen Seite Mauretanien. Aufgrund eines fehlenden Reisepasses entschieden wir uns dann für den schwäbischen Raum. Genauer gesagt zog es uns Richtung Cleebronn mit seinem 394 Meter hohen Michaelsberg, dem Wahrzeichen der Gemeinde, der sich südöstlich der Ortsmitte erhebt. Auf dem Weg passierten wir eine Vielzahl an stationären und mobilen Fotografie-Punkten, deren Preis-Leistungsverhältnis uns nicht wirklich ansprach: nur schwarz-weiss, schlechte Auflösung, keinen Pappschuber oder ähnliches und dafür Kosten bis zu 700€. Also haben wir die Angebote dankend abgelehnt und sind an den Fuß des Michaelsbergs gefahren, denn dort befindet sich der Weiler Treffentrill mit dem Erlebnispark Tripsdrill mit seinem wenige hundert Meter weiter angeschlossenen Wildparadies Tripsdrill. Das Resort ist mit seiner Größe überragend: Auf einer Fläche von 77 ha sind unzählige Attraktionen, zoologische Anlagen und Museen zu finden. Zudem gilt Tripsdrill als der zweit-älteste Freizeitpark Deutschlands. Bereits vor 5 Jahren beging er sein 90-jähriges Jubiläum. Er hat durchgängig das Thema Schwaben anno 1880.

    Nach dem ersten Besuch des Parks im Jahre 2017 wollten wir nicht nur einen Blick auf die neuen Attraktionen werfen, sondern vor allem in den Genuss der gestalterischen Schönheit kommen. Vorab ein paar Rahmenfakten: Da weder Wochenende noch irgendwo Ferien war war der Park so gut wie leer. Das Wetter war bewölkt, gegen 14.00h begann es für etwa eine halbe Stunde zu regnen. Die Wartezeiten an den Attraktionen waren damit faktisch bei Null. Viele gastronomische Einrichtungen waren demnach geschlossen und verwiesen auf das Restaurant an der Altweibermühle. Die Öffnungszeiten waren von 10.00h bis 17.00h im Erlebnispark, die beiden Wasserfahrten öffneten um 11.30h und schlossen früher.

    Trotz der geringen Wartezeit innerhalb des Parks war nur eine Kasse geöffnet, an der wir 35 Minuten (von 10.05h - 10:40h) warten mussten - vor uns waren etwa 10 Personen.... hinter uns etwa 40. Das war es aber auch schon mit der Kritik an unserem Besuch.


    Vollkommen überrascht waren wir vom Gaudi-Viertel, das direkt zu Beginn einen Indoorkletterpark präsentierte. Nicht nur die unzähligen Kletter- und Rutschelemente, sondern auch die Softball-Förderanlagen hatten für uns Erwachsene einen erheblichen Spielreiz. Direkt daneben ließ der Murmelturm - ein kleiner Spring Ride - einen tollen Blick aus etwa 8 Meter Höhe auf das riesige Kletterlabyrinth zu.

    Daraufhin sind wir zu den Neuheiten: Die wilde Gautsche ist ein Wild Swing und erinnert ganz stark an einen Top Spin wie Talocon - jedoch ohne Überschlag. Somit geht es bin in 12 Meter Höhe und man bekommt ein ordentliches Kribbeln im Bauch. Als historischer Verladekran thematisiert kann man heute eine Grundvorstellung erhalten, in welche Richtung sich diese Attraktion entwickeln wird. Im Hintergrund wird nämlich bereits dazu gebaut.

    Danach ging es für uns zu Volldampf, einer Achterbahn, die sowohl vorwärts wie auch rückwärts unterwegs ist und die Geschichte des Liedes "Auf der schwäb`sche Eisenbahne" aufgreift. Hier konnten wir die Kreativität des Parks richtig gut entdecken: Die Bahn ist in einen Bahnhof in der "Bahnhofstraße" eingebettet, der Verweis auf das Bahnhof-Bistro "Kohldampf" ist genauso witzig wie die Suchanzeige bzgl. eines entlaufenen Ziegenbocks eines Bauern aus Durlesbach. Die Wagen der Achterbahn erhielten passend zum Lied jeweils einen eigenen Namen: Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckenbeuren, Durlesbach, am Ende des letzten Wagens eine angebundene Ziege künstlerisch dargestellt. Und natürlich läuft im Bahnhof die Melodie. Ein wunderschönes Zusammenspiel.

    Weiter geht es im Bereich Hals-über-Kopf, wo die Geschichte der 7 Schwaben im Kampf gegen einen monströsen Bären eindrucksvoll an die Stationsgebäudewand gemalt wurde. Während im Stationsgebäude selbst ein Gastronomiebereich dargestellt ist. Auch hier fallen große und kleine Dinge genauso auf, wie der augenzwinkernde Spaß, den man bei der Einrichtung sicherlich gehabt hatte. Und dazu zählt auch das Hinweisschild, dass Pilzgerichte "gleich zu zahlen" sind. Die Achterbahn selbst fährt sich sehr angenehm und lädt zu Wiederholungsfahrten ein.


    Im gesamten Park verteilt befinden sich 3D-Bodenzeichnungen der Künstlerin Marion Ruthardt. So kann beispielsweise eine Ziege, die auf einem Aquädukt galoppiert erst erkannt werden, wenn man sich auf eine ganz bestimmte Markierung stellt. Aus allen anderen Perspektiven ist das Bild stark verzerrt und nicht zu erkennen. Ein tolles Gimmick.


    Zahllose Brunnen in unterschiedlichster Gestaltung findet man auf den Wegen. Sei es ein in Bronze gegossenes Paar unter einem Regenschirm, einen weinfasstragenden Burschen, die drei Huckepack-Jungen oder auch die monströse Steinkugel, die sich nur Dank des Wasserfilms dreht. Sie alle sind mehr oder weniger leicht zu finden ... wenn man ein Auge darauf wirft und nicht achtlos an ihnen vorbeigeht.


    Selbst die Gestaltung der (neueren) Sanitäranlagen hat man nicht dem Zufall überlassen. Sei es mit dem augenzwinkernden Hinweisschild am Pissoir, dass der letzte Tropfen immer in die Hose geht oder den im Stile einer Pferdestalltür dekorierten Toilettentür: Die Liebe zum Detail ist überall zu finden.


    Natürlich ist das gastronomische Angebot aus Schwaben und für Schwaben. So gibt es im Gasthaus zur Altweibermühle das Mühlenpfännle mit hausgemachte Kräuterknödel mit Champignonrahmsauce, Maultäschle, geschmälzt mit Zwiebelbutter, frischer Kartoffel- und gemischter Salat für nicht einmal 16€, für eine Portion hausgemachte Spätzle mit Soße fallen keine 6€ an. Für den "echten" Schwaben gibt es ab 16h das Schnitzel für gerade einmal 11€, inkl. der Beilage. Persönlich hat mich das Wildgericht vom Stuhl gehauen, eine solche geschmackliche Qualität in einem Freizeitpark hatte ich ehrlicherweise nicht erwartet.

    Die für uns letzte Neuheit war Höhenflug, einem Sky Fly von Gerstlauer, der das Thema eines Schneiders aus Ulm aufgriff und den Menschen zum Fliegen verhilft. Um sich interaktiv mit den Mitfliegern zu messen gibt es einen Highscore-Monitor, an dem angezeigt wird, wie viele Überschläge jeder einzelne geschafft hat sowie eine Langzeitwertung.

    Zuletzt ließen wir es uns nicht nehmen, die vielen Klassiker an Attraktionen zu besuchen. Dazu gehören vorneweg die Walk Throughs wie das Fensterln am Bauernhaus, die skurril daherkommende Tripsdriller Eheinstitution, die Vogelhochzeit oder das Lustige Klohäusle. Auch für die zahlreichen Ausstellungen und Museen wie den Hochzeitszug um 1800, das Waschhaus (1808) oder die riesige Rüstungs- und Waffensammlung mit historischen Exponaten nahmen wir uns viel Zeit.

    Nach einem Zwischenstopp in der rasanten Schlappen-Tour (alleine Name und Gestaltung sind schon genial) und der wunderbar langandauernden Hochzeitsreise in einer Kutsche haben wir auf Mammut, der Holzachterbahn im Park und auf Karacho, dem LSM Launch-Coaster den Park ausklingen lassen.


    Das Fazit unseres Besuchs:

    Wenn wir Parks besuchen achten wir auf unterschiedliche Dinge. Dazu gehören die Kreativität, die Originalität aber natürlich auch die Attraktivität und Ausgewogenheit der Attraktionen. Zudem ist das Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls im Zuge eines Familienbesuchs nicht zu unterschätzen.

    Fazit 1 - Aufenthaltsdauer: Tripsdrill ist zu einem mächtigen Freizeitpark herangewachsen. Zeitlich betrachtet hatten wir Glück gehabt und konnten alle Attraktionen im Park ohne Wartezeiten - mit Ausnahme des Wildparadieses - fahren. An einem normal besucherstarken Tag wird dies nicht möglich sein. Um im Park alles entspannt genießen zu können setze ich für einen Parkbesuch inkl. Wildparadies 1,75 Tage an. Damit ist Tripsdrill zu einem mehrtägigen Ausflugsziel herangewachsen.

    Fazit 2 - das Attraktionsangebot: Mein Gefühl ist, dass der Park für Kinder ab ca. 6 Jahren hervorragend geeignet ist und auch die Adrenalinsucher mit der G`senten Sau, Hals-über-Kopf und dem Waschzuber-Rafting (und den oben genannten Fahrgeschäften) auf Ihre Kosten kommen.

    Fazit 3 - die Thematisierung: Tripsdrill braucht sich hier nicht verstecken. Natürlich ist die Maus-Konkurrenz nicht vergleichbar. In Tripsdrill spürte ich aber an jeder einzelnen Ecke ganz viel Liebe, mit der man alles im Park gestaltet. Also Daumen hoch.

    Fazit 4 - Und nun?

    Wir kommen definitiv wieder. Dann schaffen wir auch bestimmt das Wildparadies. Ich freu mich jetzt schon drauf. Und natürlich Danke für die Unterstützung.